SPÖ Frauen und ÖGB Frauen fordern rasche frauenpolitische Maßnahmen.

Umfrage Frauen und Arbeit

Frauen sind durch die Corona-Krise besonders hart und mehrfach betroffen. Die SPÖ Frauen haben eine Umfrage in Auftrag gegeben, die die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen während der Krise, ihre Erwartungen für die Zukunft und die Frage, welche Rahmenbedingungen es bräuchte, um die Situation zu verbessern, umfasst hat. Die Umfrage, die auch eine Auswertung für Oberösterreich umfasst, zeigt klar, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt.

„Die Corona-Krise hat die Situation von Frauen dramatisch geändert. Kurzarbeit, Ängste vor Arbeitsplatzverlust, Betreuungsproblematik, Haus- und Familienarbeit, das Fehlen von Halbe-Halbe. Frauen sehen sich einer extremen Mehrfachbelastung ausgesetzt und im Stich gelassen,“ erläutert die Bezirksvorsitzende der SPÖ Frauen Perg, Abg. z. NR, Sabine Schatz. „Drei Viertel der Frauen, die alleinerziehend sind, fühlen sich mit der Mehrfachbelastung alleingelassen. Zwei von drei Frauen erwarten sich nach der Krise am Arbeitsmarkt eine Verschlechterung.“

Gefordert sieht Schatz vor allem die Frauenministerin. „Gerade in einer Krise erwarte ich mir, dass es von Beginn an volle Unterstützung für Frauen gibt und zwar genau dort, wo die Belastung für die Frauen enorm ansteigt. Da war die Frauenministerin allerdings nicht sichtbar“, sagt die Abgeordnete. In der Umfrage geben 67 % der Frauen mangelnde Unterstützung im Bereich der Doppel- und Dreifachbelastung, 60 % bei der wirtschaftlichen Belastung und 56 % im Bereich der Belastung durch Pflege- und Unterstützungsaufgaben an. „Bereiche, wo es generellen Handlungsbedarf gibt und Frauen besonders betroffen sind, wird die Krise besonders sichtbar,“ sagt Sabine Schatz

86 % der Frauen – und bei Alleinerziehenden sogar 93 % – sagen, dass Frauen den Hauptteil der Belastungen in der momentanen Situation leisten.

„Es braucht jetzt dringend ein Paket für Alleinerziehende,“ fordert Schatz. „Denn Alleinerziehende fühlen sich von öffentlichen Stellen am deutlichsten im Stich gelassen.  

Frauen besonders von Arbeitslosigkeit betroffen

Ende Juni waren knapp 65.000 mehr Arbeitslose verzeichnet als vor Beginn der Corona-Krise – 85 Prozent davon sind Frauen. Insgesamt waren damit Ende Juni über 460.000 Menschen österreichweit arbeitslos. Erfreulicherweise geht der Anstieg der Arbeitslosigkeit jetzt wieder zurück, bei den Frauen allerdings deutlich langsamer als bei Männern. 85 Prozent aller Corona-Arbeitslosen sind Frauen

Auch in den Arbeitsmarktzahlen im Bezirk Perg ist klar ersichtlich, dass Frauen besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Zwar waren zu Beginn der Krise im März die Männer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, aber diese sind schneller wieder in Beschäftigung gekommen. Bereits ab April ist die Arbeitslosigkeit bei Frauen höher als bei Männern und die Differenz wird bis Juni immer höher! Mit Ende Juni waren im Bezirk Perg 1.335 Menschen arbeitssuchend gemeldet, davon 737 Frauen und 598 Männer. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Arbeitslosigkeit um 54 % zugenommen, bei Frauen sogar um 57 %.

Die Arbeitslosenquote im Juni 2020 ist mit 5,2 % bei Frauen im Vergleich zu 3,5 % bei Männern  deutlich höher.

„Die Folgen der Krise werden am Arbeitsmarkt vor allem für Frauen noch länger spürbar und eine Rückkehr zu Vollzeit unter Umständen noch schwieriger sein,“ sagt Gaby Auinger, Vorsitzende der ÖGB Frauen im Bezirk.  Das hätte drastische langfristige Folgen für das Erwerbseinkommen und somit auch die Pensionshöhe von Frauen. „Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen. Die Politik ist jetzt gefragt, Frauen bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker zu berücksichtigen und zu unterstützen“, so Auinger.

Viele Frauen mussten in den letzten Monaten auch massiv Arbeitszeit reduzieren und Urlaub verbrauchen, um die Kinderbetreuung überhaupt stemmen zu können. Jetzt sind Sommerferien da und die Regierung hat bislang nichts zum dringend notwendigen Ausbau von kostengünstigen Betreuungsangeboten beigetragen. „Frauen haben Angst um ihre Jobs. Eine höhere Arbeitslosigkeit muss in jedem Fall vermieden werden, Frauen dürfen jetzt nicht aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden“, sagt Gaby Auinger.  Die FSG-Vorsitzende fordert die dringende Wiedereinführung der Verwendung von zumindest 50 Prozent des AMS-Förderbudget für Frauen – einer zentralen Maßnahme zur Förderung von Frauen, die von der türkis-blauen Regierung abgeschafft wurde. 

Arbeitszeitverkürzung und Anhebung des Arbeitslosengeldes

„Wir erleben aktuell die höchste Arbeitslosigkeit in der Zweiten Republik, das erfordert auch, dass mit einer Erhöhung der Nettoersatzrate das Arbeitslosengeld dringend von aktuell 55 auf 70 % angehoben werden muss,“ schließt sich Sabine Schatz an und verweist darauf, dass die SPÖ schon mehrfach Anträge dazu im Nationalrat eingebracht hat, was von den Regierungsparteien abgelehnt wurde. „Eine einmalige Almosenzahlung in der Höhe von 450 Euro ist nicht die Lösung des Problems,“ sagt die SPÖ-Abgeordnete, die einmal mehr eine Arbeitszeitverkürzung fordert, um der Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. „Vor allem Frauen würden davon mehrfach profitieren!“

Gewalt an Frauen steigt – das Mühlviertel braucht ein Frauenhaus

Wie leider zu erwarten war, hat in der Zeit der Corona-Ausgangsbeschränkungen auch Gewalt an Frauen und Kindern stark zugenommen. Alle Frauenhaus-Plätze und die in der Krise extra zur Verfügung gestellten zusätzlichen 4 Plätze in Oberösterreich waren durchgehend besetzt.

Im ersten Halbjahr 2020 musste die Polizei 472 mal in Oberösterreich wegen häuslicher Gewalt wie Nötigung, gefährliche Drohung, Körperverletzung oder sexuelle Übergriffe ausrücken, was einer Steigerung zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um 18 Prozent war, hat das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich bekannt gegeben.

„Gewalt an Frauen ist alltäglich und trifft Frauen unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialer Stellung. Die Krise hat uns gezeigt, dass es notwendiger ist, denn je, hier rasch zu handeln,“ sagt SPÖ-Frauen Vorsitzende Schatz. „Allein der Anstieg an Frauenmorden seit 2018 in Österreich sind ein Alarmsignal. Gewaltbetroffene Frauen und Kinder brauchen jetzt rasch Hilfe und Unterstützung. Der Maßnahmenkatalog ist lang und vielseitig, aber es braucht das notwendige Geld und den Willen, die Maßnahmen auch in die Tat umzusetzen.“ Dass hier auf Bundesebene noch verzögert und gebremst wird, ist für die SPÖ-Abgeordnete unverständlich.

Ein Frauenhaus im Unteren Mühlviertel

Aber auch in der Region sieht Schatz dringenden Handlungsbedarf. „Wir fordern seit Jahren ein Frauenhaus im Unteren Mühlviertel, das gut und leicht erreichbar ist und Frauen in Gewaltsituationen rasch als Anlaufstelle dienen muss,“ sagt Sabine Schatz und unterstreicht neuerlich die Dringlichkeit für ein Mühlviertler Frauenhaus. „Unsere Region ist hier ein weißer Fleck. Gerade im Osten unseres Bezirkes und im Bezirk Freistadt ist eine schnelle Erreichbarkeit zum nächstgelegenen Frauenhaus Linz oft eine nicht überwindbare Hürde für gewaltbetroffene Frauen, Amstetten aufgrund der Länderzuständigkeit bei Frauenhäusern keine Option.“ Schatz kündigt an, hier weiter Druck zu machen. „Wir sehen uns auch durch den Bericht des Landesrechnungshofes bestätigt, der klar festhält, dass in Oberösterreich nur 41 von eigentlich notwendigen 148 Frauenhausplätzen vorhanden sind. Wir wollen und dürfen nicht länger abwarten, gewaltbetroffene Frauen und Kinder brauchen rasche Unterstützung!“

Share This