Rechtsextremismus braucht entschlossene Gegenmaßnahmen

Rekordhoch bei rechtsextremen Straftaten im ersten Halbjahr 2026

Mit Nationalem Aktionsplan konsequent gegen Rechtsextremismus vorgehen!

Die Zahl der rechtsextremen Straftaten in Österreich steigt auf einem Rekordniveau weiter. Das geht aus einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums an Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur, hervor. Mit 862 Tathandlungen im ersten Halbjahr 2026 ergibt sich ein Anstieg um rund 10 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres (787 im ersten Halbjahr 2025, 1.986 im Jahr 2025). 

Damit setzt sich die besorgniserregende Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Bereits 2024 wurde mit 1.486 rechtsextremen Tathandlungen ein Rekordwert erreicht. 2025 stieg die Zahl auf 1.986 Straftaten. Besonders deutlich gestiegen sind auch die Anzeigen nach dem Verbotsgesetz, nämlich von 785 auf 887. 26 Straftaten wurden als antisemitisch ausgewiesen. Besonders auffallend: rund 90 Prozent der nachgewiesenen Tathandlungen wurden Männern zugeordnet. 

„Wir dürfen uns auf keinen Fall daran gewöhnen, dass rechtsextreme Straftaten und Gewalt immer weiter zunehmen. Rechtsextreme Fanatiker sind eine Gefahr für unsere Sicherheit und unsere Demokratie. Gegen diese Kriminellen gibt es nur ein richtiges Vorgehen, nämlich die volle Härte des Gesetzes“, sagt SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz.

Besonders besorgniserregend sei der Wandel der rechtsextremen Szene. Eine neue Generation von Neonazis sei teilweise weniger ideologisch gefestigt, dafür aber besonders gewaltbereit. Soziale Medien würden gezielt zur Vernetzung und Rekrutierung genutzt. Der aktuelle Rechtsextremismus-Bericht verweist zudem auf eine zunehmende Militarisierung und Waffenfunde im rechtsextremen Milieu. „Rechtsextremismus tritt längst in neuen Formen auf – online, in Jugend- und Subkulturen und in der Kampfsportszene. Gerade deshalb müssen wir früher ansetzen und genauer hinschauen“, sagt Schatz. Laut Rechtsextremismusbericht  war Rechtsextremismus 2024 das größte Extremismusphänomen in Österreich: Mehr als ein Viertel der rechtsextremen Taten wurde im Internet begangen. Gleichzeitig waren mehr als 90 Prozent der Beschuldigten männlich, knapp ein Fünftel Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. 

Wie real die Gefahr ist, zeigen mehrere Vorfälle im ersten Halbjahr 2026. Rund um das Stiftungsfest der Burschenschaft Leder in Leoben soll im Juni ein Taxifahrer nach „Sieg Heil“-Rufen beschimpft, geschlagen, gewürgt und getreten worden sein. Gegen mehrere Verdächtige wird wegen schwerer Körperverletzung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung ermittelt. Besonders erschreckend: Rund um das Gauder Fest in Tirol wurden „Sieg Heil“-Chöre, Hakenkreuz-Schmierereien und rassistische Übergriffe gemeldet.

Schatz warnt zudem vor den jüngsten Verbindungen zwischen FPÖ, Freiheitlicher Jugend und Identitären: „Es ist brandgefährlich, wenn Rechtsextreme immer mehr politischen Einfluss gewinnen.”

„Neben einem harten Vorgehen gegen Rechtsextreme braucht es auch wirksame Prävention, politische Bildung und Unterstützung für Betroffene“, so Schatz. „Die steigende Gefahr der vergangenen Jahre hat deutlich gemacht, dass wir entschieden gegen Rechtsextremismus vorgehen müssen. Deshalb haben wir den Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in die Wege geleitet. Jetzt muss er rasch umgesetzt werden und konkrete Maßnahmen bringen“, so Schatz.

Der Nationale Aktionsplan gegen Rechtsextremismus soll im Winter fertiggestellt werden und die Maßnahmen gegen Rechtsextremismus in Österreich in drei zentralen Bereichen bündeln: Bildung und Demokratieförderung, Prävention und Früherkennung sowie Strafverfolgung und Resozialisierung.